Geschichte Eggstätt

Der Ortsname hat nichts mit dem Begriff "Eck" zu tun, sondern ist aufgrund der heutigen Ortsnamensforschung auf den Personennamen Ecco zurückzuführen. Der Ursprungsname "Echistat" sollte den Begriff "Stätte des Ecco" zum Ausdruck bringen. Aus diesem Ortsnamen von 925 über Ekstete (1155), Ekksteten, Extet (1200) und Ekstet (1400) entstand der heutige Ortsname Eggstätt.

Der älteste Schriftliche Nachweis über den damaligen Bestand ist eine Urkunde des Erzbischofs Odalbert von Salzburg aus dem Jahr 925, die aussagt, daß der erzbischöfliche Lehensmann für seinen Besitz aus dem Isengau durch Tausch "Echistat" auf Lebenszeit zum eiegntum erhält.

Das wriken der irisch-schottischen Mönche in Zell und die altchristliche St. Georg-Kirche in Eggstätt, sowie die unmittelbare Nähe der Römerstraße sprechen für eine frühere Besiedlung. Es gibt jedoch keine schriftlichen Beweise. Sowenig Spuren einer altsteinzeitlichen Besiedlung durch Menschen im Chiemgau bishe rnachgewiesen wurden, so liegen auch keine Beweise für eine mittelsteinzeitliche Besiedlung vor. Es durchstreiften jedoch nomadisierende Jäger und Fischer in der Zeit um 3200 v. Chr. Diese Gegend, die ältetsten Siedlungsnachweise gibt es in Rosenheim aus dem Jahre 2400 v. Chr. - und wurden in einer Kiesgrube an der Straße nach Eggstätt, etwa 250 m nördlich von breitbrunn gefunden. Es handelt sich hierbei um Scherben mehrerer Gefäße, einem Näpfchen mit Ausgußtülle und zwei Silexspitzen. 1920 wurde beim Torfstechen ein Griffzungenschwert im Eggstätter Freimoos-Distrikt II aus der Bronzezeit freigelegt. In der Ortsflur Peinersdorf wurde 1898 ein bedeutender Hortfund aus der Bronzezeit entdeckt. Hier fand man drei Bronzeschwerter in einem Tongefäß.

Die von den Römern angelegte Straße von Salzburg nach Augsburg führte bei Straß durch da heutige Gemeindegebiet von Eggstätt. Ein erhaltener Meilenstein zeugt davon. Heute ist er im Heimatmuseum Traunstein, wohin er über das Kloster Herrenchiemsee und Schalche kam, zu sehen. Auf dem noch erhaltenen Meilenstein von Eggstätt ist die Entfernung zum muni Juvavum, dem Hauptort Salzburg, mit 36 Meilen angegeben, was ca. 54 Kilometern und damit der Entfernung Eggstätt-Salzburg enstpricht. Eine Inschrift besgat, daß die entsprechende Straße im Jahr 195 n. Chr. Ausgebessert wurde. Man kann heute noch in den Wäldern der Eggstätter Seenplatte die Straßenführung durch hervortretende Dämme nachweisen, die sich auf trockenen Ufern zwischen mehreren Seen dahinschlängelt. Von der Römerstraße führten hier Tierpfade und Straßen der Kelten durch die Seenplatte, weshalb man annehmen kann, daß die Straße auch noch in nachrömischer Zeit für den Salzhandel genutzt wurde. Auch die Christianisierung erfolgte entlang dieser Straße.

In der heutigen Eggstätter Kirche befand sich eine römische Grabtafel als weiteres steinernes Denkmal. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde diese Tafel nach München gebracht, wo sie 1944 bei einem Luftangriff zerstört wurde. Ihre Bedeutung lag darin, daß sie über eine römische Familie über vier Generationen aussagte und desweiteren einene seltenen Hinweis über eine Pest im Jahre 172 n. Chr. lieferte.

Beim Erdaushub für das Wohnhaus des Dr. Hans Wegert im Jahre 1951 wurden drei Reihengräber mit männlichen Skeletten gefunden, Zeugen der bajuwarischen Landnahme im 6. Jahrhundert.

In der Teilungsurkunde von 1255/1270 des Herzogs Ludwig II: (1253 - 1294) von Bayern ist "Ekksteten" als oberbayrische Urbar erwähnt, was man als Vorläufer der ersten Gemeinden ansehen kann (herzoglicher Besitz).

Im Jahre 1157/1158 kommt Eggstätt mit den Ortsteilen Aufheim(Ufhaim), Bachham(Pachheim), Natzing(Nazzing), Weisham(Wisham) und Ober- und Unterulsham(Ulzheim) durch Gebietserwerbungen zum Erzstift Salzburg. Als weltlicher vogt wird der Falkensteiner Graf Sibito belehnt. Diese Unterstellung unter den Hartmannsberger Vogt erfolgte bei den üblichen Gebietserwerbungen des Erzbischofs von Salzburg.. Nach dem Tode Sibitos III. Von Falkenstein bemächtigte sich Konrad von Wasserburg 1246 der Grafschaft Hardemannsberg, verlor sie aber nach seiner Vertreibung im Jahre 1248 aus Wasserburg an Herzog Otto II: (1231-1253), dem Sieger über die Falkensteiner und Wasserburger. Der Herzog gliederte die erworbenen Herrschaftskomplexe in neue Landgerichte, die nicht mehr als Lehen (Leihverhältnisse) vergeben wurden. Alle Herrschaftsrechte blieben beim Herzog. Aus der Grafschaft Wasserburg und der Herrschaft Hardemansberg enstand i 13. Jahrhundert das Landgericht Kling. Eggstätt gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum herzoglichen bzw. kurfürstlichen Land- und Pflegegericht Kling und war Sitz eines Amtes, das im wesentlichen das Gebiet der Urpfarrei Eggstätt umfaßte. Wenige Ausnahmen der Urpfarrei gehörten zum Gericht Wildenwarth, die Obmannschaft Bachham gehörte zum Höselwanger Amt. Auf der anderen Seite ghörte wiederum Mühldorf zu Eggstätt, obwohl es kirchlich an Halfing angeschlossen war.

Dem Amt Eggstätt, vertreten durch einen Hauptmann, waren die Ortschaften Endorf, Mühldorf, Gollenshausen, Breitbrunn und Eggstätt (als Obmannschaft) zugeteilt. Eine genaue Beschreibung des Amtes Eggstätt ist aus dem Jahre 1585 bekannt. Mit Eggstätt als Obmannschaft waren folgende Ortsteile vereinigt:
Langenbürgen, Eggstätt, Gattern, Haus, Kämpfenthal, Kürzing, Mooshappen, Natzing, berndorf, Preinersdorf, Straß, Weisham, Wöhr und Zell.

Schwere Leiden brachten die Jahre 1634 und 1649. Die Pest führte zu einem Massensterben und im Irfertgehölz bei Preinersdorf wurde ein sogenannter wilder Friedhof (Pestfriedhof) angelegt. Während des Schwedenkriegs wurde die bevölkerung nicht behelligt, da die Soldaten Pestgebiete mieden. Dafür führten die Kriegswirren vo 1705 während dees spanischen Erbfolgekriegs im Eggstätter Gebiet zu schweren Schäden. Während des östereichischen Erbfolgekriegs 1742 wurde der Ort verschont.

Mit der kurfüsrtlichen Entschließung vom 24.03.l802, die eine Neuordnung der staatlichen Behörden verfügte, wurde das Pflegegericht Kling, das als Nachfolger der Kastenämter die Erhebung und Verrechnung von Steuern an den Herzog vornahm, aufgelöst. Eine Vollzugsanordnung vom 14.3.1803 brachte die Vereinigung der Pflegegerichte Kling und Trostberg zu einem gemeinsamen Landgericht Tostber, mit Sitz in Obing. Nach einer kurzfristigen Verlegung nach Baumburg wurde der Amtssitz in das zentral gelegene Trostberg verlegt.

Im Jahre 1808 entstand auf Grund des Gemeindeedikts vom 28.7.1808 durch die Vereinigung der alten Obmannschaten Egstätt - von der einige Orte zu Breitbrunn kamen - mit dem nördlich anstoßenden Bachham (bestehend aus den Ortsteilen Aufham, Meisham und Oberulsham) der Steuerdistrikt Eggstätt. Diese Steuerdistriktgemeinden waren die Vorläufer der heutigen politischen Gemeinden. Jedoch waren die Möglichkeiten der Selbstverwaltung noch sehr eingeschränkt. Die Zeit für eine straffere Staatsführung und eine einheitliches Steuersystem war gekommen und notwendig geworden. Erst das zweite Gemeindeedikt vom 17.05. 1818 brachte die Geburtsstunde der heutigen politischen Gemeinden mit Selbstverwaltungsmöglichkeiten, die von frei gewählten Gemeindebevollmächtigten in einem Gemeindeausschuß ausgeübt wurden. Gebietsmäßig entsprach die Gemeinde Eggstätt von 1818 den räumlichen Grenzen des Steuerbezirks. Volle bürgerliche Freiheiten brachte aber erst ein Gesetz vom 4.6. 1848 das unserem heutigen liberaldemokratischen Denken entsprach.

Das 1808 aufgelöste Pflegegricht Kling wurde zunächst mit dem Landgericht Trostberg vereinigt und die Gemeinde Eggstätt 1862 dem neu gebildeten Bezirksamt Traunstein zugeteilt. Ab 1.1.1900 wurde die Gemeinde dem Bezirksamt Rosenheim unterstellt.

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© copyright by Gregor Wolf. Bearbeitet am 07..08.1998